Oper in drei Akten (1951)
Libretto von Wystan Hugh Auden und Chester Simon Kallman nach William Hogarths gleichnamiger Bilderfolge (1732/ 33)
in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Der Teufel ließ ihn nie los. Immer wieder und in unterschiedlichen Formen setzte sich Igor Strawinsky in seinem Schaffen mit dem faustischen Motiv vom Teufelspakt auseinander, wie etwa in Die Geschichte vom Soldaten. Für The Rake’s Progress wurde Strawinsky von Kupferstichen William Hogarths inspiriert, die in Deutschland durch Georg Christoph Lichtenbergs Erklärungen von 1796 bekannt wurden: Der junge Tom Rakewell könnte eigentlich ein bescheidenes Leben mit seiner Freundin Ann Trulove und deren Vater führen, doch in Gestalt des diabolischen Nick Shadow strömt der Duft der weiten Welt und damit auch die Versuchung ins Haus. Tom bricht nach London auf, wo er von Shadow, dem Teufel, immer tiefer ins Verderben gerissen wird. Er vergisst seine geliebte Ann, treibt sich in Bordellen herum und verliert sein ganzes Geld. Zwar gewinnt er im Kartenspiel gegen den Teufel, verfällt aber dem Wahnsinn und landet schließlich im Irrenhaus.
Anspielungen an Urmotive der Oper, das Spiel mit Ironie und Parodie und absurde Figuren – wie die bärtige Türkenbaba, Toms spätere Ehefrau – machen The Rake’s Progress zu einem schillernden Stück lebendiger Operngeschichte. Diese Oper ist eine Hommage an Mozart und die klassische Periode: Strawinsky beschränkte sich auf die Orchesterbesetzung von Mozarts Così fan tutte und komponierte Rezitative, Arien und Ensembles, die den Geist des ausgehenden 18. Jahrhunderts atmen, ohne das 20. Jahrhundert zu verleugnen. In W. H. Auden und Chester S. Kallman fand er zwei kongeniale Librettisten, die auch mit Komponisten wie Benjamin Britten und Hans Werner Henze zusammengearbeitet haben und die perfekte Balance zwischen historischem Ton, Travestie und subtilen Anspielungen trafen. Regisseur Markus Bothe, der unter anderem am Schauspielhaus Hamburg, am Schauspiel Frankfurt, den Staatsopern in Hannover und Stuttgart und an der Deutschen Oper Berlin inszenierte, wird sich mit dieser Arbeit zum ersten Mal dem Oldenburger Publikum vorstellen.

Regie: Markus Bothe

31. Mai 2013, Großes Haus

Oldenburgisches Staatstheater

Chor: Thomas Bönisch
Dramaturgie: Lars Gebhardt

Trulove: Benjamin LeClair
Ann Trulove: Mareke Freudenberg
Tom Rakewell: Stefan Heibach
Nick Shadow: Peter Felix Bauer
Mother Goose: Annekathrin Kupke / Ks. Marcia Parks
Baba, the Turk: Geneviève King
Sellem: Michael Pegher
Keeper: Anthony Gardner
Opernchor des Oldenburgischen Staatstheaters
Oldenburgisches Staatsorchester

Trailer

Rezensionen

Kreiszeitung

„Thomas Dorsch hält am Pult des Oldenburgischen Staatsorchesters den distanzierten, geradezu kommentarlosen Gestus der Partitur durch, forciert nie, sondern entlockt der mit Anleihen gespickten Musik ihren schillernden Subtext. Mag der Komponist auch Mozart zitieren, reflektiert er ihn doch immer im Spiegel der Moderne. Diese Sicht, die sich in Struktur, Tongebung, in der Phrasierung ausdrückt macht das Werk zu einem vielbödigen Beispiel der begeisternden Anverwandlungskunst Stravinskys. Dorsch lässt dies in lichter Balance der Stimmen hörbar werden.“

Kritik The Rake’s Progress – BILD Bremen, 3.6.2013

Kritik The Rake’s Progress – Kreiszeitung 4.6.2013

Kritik The Rake’s Progress – NWZ Oldenburg, 3.6.2013