Bei der Komposition des „Landscape- gardening“ steht der Umgang mit der Zeit, die Zeitempfindung des Zuhörers im Vordergrund. Das Stück ist eine Zusammensetzung möglicher polymetrischer Abläufe unter den Prämissen erstens der melodischen und rhythmischen Durchhörbarkeit, d.h. der Punkt, an dem das Geschehen in Chaos umschlägt und die Klangfarbe ein einheitliches Grau- in- Grau ergibt, ist vermieden; und zweitens der Realisierbarkeit. Nicht nur der äußere Anlaß, „Landscape- gardening“ ist für drei junge „Jugend musiziert“- Bundespreisträger als Ansporn zur weiteren intensiven Beschäftigung mit der Interpretenproblematik zeitgenössischer Musik geschrieben, sondern auch der Umstand, daß polymetrische Abläufe in der Ausführung durch Musiker und besonders durch Kammermusiker ohne Dirigenten unglaublich schwierig darzustellen sind, ergibt bei ausgesprochenem „Nichtverzichtenwollen“ auf menschliche Interpretation (im Gegensatz zu z.B. Conlon Nancarrow mit seinen „studies for player piano“) die Prämissen für die Komposition. Die Ausprägung melodischer Elemente wird weitgehend auf sich wiederholende, stets aus verschiedenen Sekundgängen aufgebauten Viertonphrasen, eingeschränkt. Dagegen ist die Überlagerung der metrischen Schichten auf ein gerade noch zu spielendes Maximum getrieben. Die drei in ihrer Klangfarbe unterschiedlichen Instrumente- dieser Sachverhalt ermöglicht, neben der Nutzung auch kompositionstechnischer Hilfsmittel, die Durchhörbarkeit der Partitur- spielen jeweils verschiedene Pulse in den Verhältnissen 4:3:5, 3:7:2, 7:5:3, 3:2:4, 5:3:2, 7:2:5. Es wird zwischen Pulstönen, hier in der kleinsten Einheit der Komposition, dem Sechszehntel, und Melodietönen, welche die Metrik generieren, unterschieden. Innerhalb dieses engen Spielraums, fesgelegt durch die Pulsation und die melodische Uniformität, ist versucht, durch Veränderung anderer Parameter wie Dynamik, Dichte der Pulsation, Artikulation etc. eine emotionale Ebene anklingen zu lassen. Diese Hinweise sind unvollständig und geben nur ein ungenügendes Bild von der technischen Konzeption, sie sind aber unerläßlich zum Verständnis des Zeitbegriffs. Zielsetzung war es im Gegensatz zur Minimal Music, nicht durch Potenzierung der Materie eine Auflösung der Zeitstruktur zu erreichen, sondern eine Gleichzeitigkeit von Zeitempfinden zu erproben. Die melodische Uniformität erscheint jetzt vor dem idellen Hintergrund. In der Musik spricht dieselbe Person, nur in drei verschiedenen Tempi. Die Ausdrucksebenen der Person sind fast immer nahezu identisch, man kann also im übertragenen Sinn nicht von einer Persönlichkeitsspaltung sprechen. Die Person hat aber ihren persönlichen Rhythmus, den einheitlichen Puls verloren. Letztendlich verhält sich die Musik prozessuell. Nach und nach wird der Puls in seiner musikalischen Bewegung gesteigert, die melodische Geste aber löst sich auf. Der rasende Puls wird zur Melodie. Es bleibt die Frage im Raum stehen, ob man beim Hören überhaupt noch irgendein melodisches Element als ein solches wahrnimmt.

Livemitschnitt
Bernhard von der Chevallerie (Flöte), Georg Hilfenhaus (Schlagzeug), Sebastian Seth (Akkordeon)