Vom Streben danach, Denkmäler zu schaffen

Die Symphoniker spielten Musik unter dem Motto »Monumentum” VON ANTJE AMONEIT

Lüneburg

Daniel Munck, Student und Meisterschüler bekannter Stars am Cello-Himmel wie Wolfgang Boettcher, war im Theater Lüneburg der gefeierte Solist im vierten Meisterkonzert der Saison. Der Cellist widmete sich im 20. Jahr seines Wirkens als Solo-Cellist der Lüneburger Symphoniker einem der bekanntesten und ob der Ansprüche auch gefürchtetsten Partien der Cello-Literatur mit großer Konzentration, Zuverlässigkeit und Emotion. Das Konzert für Violoncello und Orchester in d-Moll, das Edouard Lalo 1877 komponierte, wirkt durch seinen vom Orchester immer wieder unterbrochenen Solopart und aufbrandende halsbrecherische Details oft wie improvisiert. Das nutzte Munck für seine eigene, zu seinem Instrument passende, eher den leiseren, samtigeren Tönen als einer agressiveren Spielweise zugewandte Auffassung, Große dynamische Bögen schufen übersichtliche, noch in höllischem Tempo die romantische Diktion betonende Phrasen, zusammen mit dem einfühlsam musizierenden Orchester. Das Publikum dankte dieser großen Leistung mit langem Beifall. Zuvor hatten die Symphoniker mit Haydns Ouvertüre zur Oper ,,L’isola disabiata” ein gefäl liges, in einem auf gedämpfte, wienerklassische Weise brodelnden Kessel unterschiedlicher Geühle rührendes Charakterstück serviert. ,,Monumentum” hatte Generalmusikdirektor Thomas Dorsch das Programm getauft, inspiriert vom Streben vieler Komponisten danach, ,,Denkmäler zu schaffen”. Haydn wäre sicher gern heute auch als Opernkomponist berühmt, erfreute die Nachwelt aber eher mit seinen mehr als hundert Sinfonien. Anton Bruckner als tiefgläubiger Schöpfer großer Kirchenmusik war ein großer Kritiker seiner eigenen Sinfonien. Schon seiner 1. Sinfonie war Bruckner sich nicht sicher, noch 25 Jahre später nahm er daran Umarbeitungen -und Erweiterungen vor. Dabei gilt diese 1868, nicht lange nach der Uraufführung von Wagners – die vorherrschende Harmonik in Frage stellenden – Oper „Tristan und lsolde” zum ersten Mal erklungene Sinfonie heute als eines der bahnbrechenden klassischen Orchesterwerke auf dem Weg zur Modeme. Wagner- Verehrer Bruckner taucht hier, sensibel und immer wieder lautstark, ostentativ und treibend, in Wagnerschen Klang und Blechrausch ein. Sogar das Sehnsuchtsmotiv aus „Tristan” zitiert er. Dennoch verströmt die Sinfonie Eigenständigkeit, folgt einer strengen Form, die Dirigent Thomas Dorsch sorgsam konturierte. Dorsch ließ das Orchester hellwach Motive nachzeichnen, stets mit deutlichem Gespür für den vielschichtigen Dialog, den Kontrast, für das Lyrische und das pochend Pompöse. Engagiert kosteten die Symphoniker transparente dynamische Passagen aus, grandios wirkten die Bläsereinsätze im Zusammenspiel mit den bassstarken Streichern. Mitreißend temperamentvoll pulsierte das rhythmisch kreisende Scherzo, bebend, fiebernd intensiv wogte und schäumte das Finale. Viel verdienter Applaus am Ende für alle.