Ost und West berühren sich

Ost und West berühren sich

Landeszeitung Lüneburg 

28. November 2018

Lüneburg. Wirksamer hätte das „EastWestDanceMelody“ betitelte Konzert kaum beginnen können. Ravels „Boléro“ war vom Komponisten als spanische Ballettmusik entworfen worden und zielt also auf das Gesamterlebnis von Musik und Tanz. Auf ein Gesamterlebnis, das Akteure und Publikum eint, zielte auch das nach dem „Eroica“-Projekt zweite Konzert der Reihe StadtRaumKlang, diesmal im prall gefüllten Libeskind-Auditorium,

Stürmisch gefeiert wurden die Lüneburger Symphoniker unter Thomas Dorsch, diesmal durch syrische Musiker verstärkt. Mit mitreißender Energie interpretierte das groß besetzte Orchester vier Werke, deren Aussagekraft die enge Verbindung zwischen Musik des Ostens und Westens berührt, ebenso den Zirkel des Lebens in Verbindung mit freiem Tanz. Ravels 1928 entstandenem „Bolero“ folgten zwei sehr hörenswerte Uraufführungen von zeitgenössischen syrischen Komponisten sowie Strawinskys Tanzstück „Le Sacre du Printemps“, getanzt von einer Ballettgruppe des Theaters und nichtprofessionellen Tanzbegeisterten sowie syrischen Migranten.

Kooperation zwischen dem Theater und der Leuphana
Syrische Musiker als Mitspieler und als Komponisten zu integrieren, ihre Werke mit etablierten Klassikern zu mischen, schien mehr als gelungen. Begeisterte Zustimmung gab es für die Idee von StadtRaumKlang, speziell Menschen zwischen 16 und 30 Jahren anzusprechen, die womöglich Theater und Konzertbühne weniger gewohnt sind, wobei grundsätzlich Zuhörer aller Altersklassen eingeladen sind.

Als Musik-Vermittlungsformat des Labels #edufantastisch gilt die Reihe als Experiment, das durch ein Seminar des Instituts für Kunst, Musik und ihre Vermittlung der Leuphana unter Prof. Dr. Michael Ahlers mit den Symphonikern unter Musikdirektor Thomas Dorsch initiiert wurde. Ungewöhnlich verortete, besetzte und aufgeführte Konzerte mit zeitgenössischer oder etablierter Musik sollen das Publikum erreichen.

Locker moderiert von Thomas Dorsch und Studierenden begann das Konzert mit einer animierenden Interpretation des „Bolero“, die Dorsch mit einem Knalleffekt enden ließ. Mit überraschendem Schluss erfreute auch der syrische Komponist und Geigenvirtuose Jehad Jazbeh, der sein rhythmisch turbulentes, themen- und melodienreiches Werk „Gates of Aleppo“ erläuterte. Er habe orientalische Skalen mit Folk-Elementen gemischt, immer in Gedanken an seine Heimatstadt.

Vital, detailgenau und ausdrucksstark gespielt
Das teils tonal frei wirkende, teils westliche Sinfonik, Folk und Jazz aufgreifende Stück entfacht Emotionen und das Bedürfnis, sich allen Stilen zu öffnen: Es bekam langen Beifall. Ebenso begeistert wurde das Werk der in Toronto studierenden, wegen eines Ausreiseverbots nicht anwesenden Suad Bushnaq aufgenommen. „Souvenir du Soleil“ widmet sich motivisch vielschichtig dem Zirkel des Lebens und emotionalen Momenten der Erinnerung – eine verzweigte Stilelemente einende Palette naturnaher Melodie- und Klangfarben.

Mit „Sacre du Printemps“, äußerst vital, detailgenau und ausdrucksstark gespielt, ging das Konzert zu Ende. 15 Tanzende boten eine ekstatische, erfinderisch gestaltete, dem Thema verhaftete Choreographie. Olaf Schmidt hatte die Gruppe zunächst eigene Improvisationen zum Thema Verfolgung, Flucht und Suche tanzen lassen und dann die Bewegungsformen nach Strawinskys Musik strukturiert, dazu nutzte er eine attraktive farbintensive, auf einzelne Punkte fixierte und ein bewegtes Wand-Schattenspiel kreierende Lichtregie. Am Ende dankte das Publikum mit langem Applaus und Bravos.

Von Antje Amoneit

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