Queere Kreuzzüge

Queere Kreuzzüge

Dass man einen Doppelpass auch zu dritt spielen kann, das gibt es nur im Theater. Dass es sich bei diesem Dreier-Doppelpass um „queere Kreuzzüge“ handelt, hat auch so seine erklärungsbedürftige Logik. Gespielt wird das Ganze aber von einem bemerkenswert aufgestellten Team: Das Theater Lüneburg passt den Ball mit Kampnagel Hamburg und der Tanzcompagnie Queerpraxis hin und her – und das über zwei Spielzeiten. Möglich wird es durch die Kulturstiftung des Bundes, eine der größten in Europa.

Eines der Projekte der Kulturstiftung nennt sich „Doppelpass“. Gefördert werden über zwei Jahre mit jeweils bis zu 240 000 Euro Kooperationen zwischen freien Gruppen aus allen Sparten und festen Tanz-/Theaterhäusern. Bundesweit wurden im März 26 Kooperationen abgesichert, darunter die mit Lüneburg-Bezug: „“. Hierfür wurden insgesamt 350 000 Euro bewilligt.

„Es geht dabei um den Umgang mit Andersartigkeit“, sagt Lüneburgs Chefdramaturg Friedrich von Mansberg. Queer steht für Anderssein und bezeichnet in diesem Kontext Menschen, die sich von der Geschlechternorm und mit ihr verbundenem Rollenverhalten abgrenzen.

„Es geht dabei um den Umgang mit Andersartigkeit“ Friedrich von Mansberg, Chefdramaturg des Theaters Lüneburg

Das Thema spielt in den Arbeiten des spanischen Choreografen Josep Caballero Garcia schon häufiger eine Rolle. „Ybrid“ heißt eine Arbeit über hybride Identitäten, die er auf Kampnagel zeigte. „Ich bin doch mehrere“ richtete sich vor allem an junge Menschen, die gleichzeitig in mehreren Kuturen aufwachsen und Begriffe wie Heimat nicht schlagwortartig beantworten können.

Zwei Produktionen werden vorbereitet. In der Spielzeit 2018/19 entsteht „Melancholia. Eine queere Oper“ auf Kampnagel – mit Musik von Alexandra Holtsch. In Lüneburg wird das Stück im T.3 zu sehen sein. Die zweite Produktion mit dem Namen „Queer Iberia“ wird in Lüneburg produziert und im Libeskind-Forum uraufgeführt werden. Thomas Dorsch, Lüneburgs Generalmusikdirektor, komponiert, die Lüneburger Symphoniker werden spielen.

Workshops über Identität und Rollenmuster
„Mit beiden Stücken fordern wir die jeweiligen Theaterstrukturen heraus und bieten ihnen Formate an, die nicht zwangsläufig Teil ihres gewohnten Programms sind“, sagt der aus Barcelona stammende Choreograf Caballero Garcia. Begleitet werden die Stückentwicklungen von Workshops, zum Beispiel über Identität und Rollenmuster. Wie das alles genau aussieht, kann niemand sagen, denn die Stücke entstehen ja erst.

Es gibt bei diesem Dreier-Doppelpass sogar noch einen vierten Mitspieler: HAU – Hebbel am Ufer, eine Berliner Spielstätte rund um das traditionsreiche Hebbel-Theater. Die beiden queeren Produktionen werden auch dort gezeigt.

Für das Theater Lüneburg ist die Aufnahme ins Doppelpass-Spiel der Bundeskulturstiftung eine Bestätigung seiner Arbeit. „Wir werden auch außerhalb unseres Kerngebietes wahrgenommen“, sagt von Mansberg.

Hans-Martin Koch

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