Saxofonistin Grace Kelly im Konzil: Wie die Konstanzer Philharmonie Amerika eroberte

Saxofonistin Grace Kelly im Konzil: Wie die Konstanzer Philharmonie Amerika eroberte

Saxofonistin Grace Kelly im Konzil: Wie die Konstanzer Philharmonie Amerika eroberte
Hunderte Zuhörer im Konzil feiern die Saxofonistin Grace Kelly, ihre Band und die Südwestdeutsche Philharmonie: Dieser Abend versprühte das versprochene Gefühl von Summertime.

Künstlerin der Extraklasse: Grace Kelly ist erst 25, und das Konzertpublikum liegt ihr zu Füßen. Künstlerin der Extraklasse: Grace Kelly ist erst 25, und das Konzertpublikum liegt ihr zu Füßen.

Saxofonistin Grace Kelly im Konzil: Wie die Konstanzer Philharmonie Amerika eroberte
Hunderte Zuhörer im Konzil feiern die Saxofonistin Grace Kelly, ihre Band und die Südwestdeutsche Philharmonie: Dieser Abend versprühte das versprochene Gefühl von Summertime.

Künstlerin der Extraklasse: Grace Kelly ist erst 25, und das Konzertpublikum liegt ihr zu Füßen.

Das Sonderkonzert der Südwestdeutschen Philharmonie (SWP) im Konzil war besonders: „Jazz meets Classic“. Da traf nicht Kneipenjazz auf Symphonie, sondern die US-amerikanischen Komponisten hatten den Treff schon in ihre modernen Unterhaltungs- und Konzertstücke als Teil ihrer Durchschlagskraft eingearbeitet. Grace Kelly, mit 25 Jahren ein internationaler Begriff in der Saxofon- und Jazzwelt, gastierte als Young Artist in Residence des Bodenseefestivals mit ihrer Trioband und legte mit der SWP grandiose Musik hin.
Der Saal war ausverkauft, erwartungsfroh, staunte, wie die SWP mit der Jazzsymphonik umging: Relativ riesig besetzt, tauchte sie in die nordamerikanische Musikwelt ein, als ginge sie täglich damit um. Am Pult stand der Lüneburger Gastdirigent Thomas Dorsch, der die Materie und die Partitur exzellent beherrschte und mit agilem Bewegungsausdruck bei gleichzeitig exakter Linienführung temperamentvoll zu motivieren verstand.
Los ging’s mit Michael Daughertys legendärer „Route 66“, dem klingenden Stimmungsbild des Ost-West-Highway: Perkussionsstark, fortissimo, nervös, aufbrausend. Gegen Konzertende noch Daughertys „Lex“; ein musikalisch chaotisches Tutti-Gedränge mit Trillerpfeifen, eingestreuten melodischen Einfällen, saftigem Violinsolo: Konzertmeisterin Kyoko Taninos Finger rasten und strichen in irrwitzigem Tempo über Saiten und Griffbrett.
Grace Kelly trat gleich dreimal auf: Im dreisätzigen, ihr gewidmeten Konzert „Focus on Grace“ von Thomas Oboe Lee bezauberte und überraschte ihr facettenreiches Spiel und ihre quirlige Darbietung mit immer neuen Ideen zu den Motiven, die sie einleitend über dem metrisch fast starren Orchester und der Band teilweise improvisierend herausholte, bis im wilden Schlusssatz nach Klavier- und Drums-Solo die Bühne bebte. In ihrer Eigenkomposition „101“ (Begriff für Überraschungen nach 100 mal Gelingen) hasteten SWP, Band und sie mit dem Sopransaxofon durch zackigen Siebener-Takt in einen fulminanten Schluss hinein: Stimmungsschwankungen der Teenagerin, die ihr Leben in den Griff bekommen möchte.
Ihr Finale: Eine ergreifende Ballade, zusammen mit der starken Combo mit Julian Pollock (Keyboard), Julia Pederson (Bassgitarre) und Ross Pederson (Drums): Unvermittelt setzte sie eine lyrische, zu Herzen gehende, aber auch zu Ausbrüchen fähige Jazzstimme ein, sang von der Schwierigkeit, das Leben auszuprobieren („Trying to figure it out“), schob modernjazzige Saxofon-Bridges ein, wurde mit der Band mehrmals auf die Bühne zurückgeholt: ein großes Multitalent!
Danach hatte die SWP das alleinige Sagen in zwei mehrsätzigen Konzerten und einem Streicherstück. Konzert Nummer eins war „Gazebo Dances“ von John Corigliano, eine Suite in klassischer Manier mit schönen Motiven, burlesken Eskapaden, eckigem Walzer, oboen-singendem, blühendem und wieder verwelkendem Adagio und sich rasend gebärdender Tarantella. Als Konzert Nummer zwei folgten Aaron Coplands Tanz-Episoden aus seiner Ballettmusik „Rodeo“: Ein Cowgirl auf Beziehungssuche mit letztlichem Erfolg lässt das Orchester blechstark jazzen, in volks-tümlichen Humpa-humpa-Figuren witzeln, in weichgespülten Harmonien baden, in tollem Finale-Marsch übermütig triumphieren. Dazwischen Aaron Kernis‘ Streichorchester-Satz „Musica celestis“, in dem Engel Gott preisen: mittelalterliches Motiv in barocker und moderner Adaption zwischen himmlischer Pianissimo-Weltraumstille, Grummeln in der Tiefe, Dauerlauf schneller Tonketten und Verebben.
Der Beifall war mächtig, zeigte Abstufungen der Begeisterung für den „Summertime“-Abend und sicher vollen Spaß an Grace Kelly, der Band, der SWP und dem Dirigenten.

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