Foxtrott mit der Macht

Meisterkonzert der Lüneburger Symphoniker beleuchtet Musik mit politischen Untertönen

VON ANTJE AMONEIT Lüneburg.

Mit einem Grußwort wendet sich Generalmusikdirektor Thomas Dorsch im Programmheft zur Saisoneröffnung an das Publikum: Nötiger denn je sei der Dialog zum Thema Demokratie, deren Werte nicht so selbstverständlich und unverrückbar seien wie bisher angenommen. Grund genug für Dorsch, auch die Kraft und Sprache der Musik, die wesentlich zu weltweiter Verständigung beitrage, zu nutzen. Das 1. Meisterkonzert unter dem Motto „Foxtrott mit der Macht“ eignete sich hervorragend, in diesem Sinne Brücken zu schlagen, über Musik an Menschen zu erinnern, die aus Tradition und Gegenwart Mut schöpften. Zur Saisoneröffnung der Meisterkonzertreihe hatte der Dirigent der Lüneburger Symphoniker passend politisch und künstlerisch motivierte Musik unterschiedlicher Zeiten und grundverschiedener Couleur ausgesucht. Das Konzertmotto lieferte John Adams „The Chairman Dances“, ein 1985 in den USA entstandenes, vom Treffen zwischen Richard Nixon und dem Vorsitzenden der kommunistischen Partei in China, Mao Zedong, inspiriertes Stück stilistisch raffiniert gemixter Musik. Adams komponierte einen musikalischen Trip voller intensiv pulsierender Motive und ebenso modern wie romantisch anmutender Klanganleihen. Das ideenreiche, auch starke Emotionen weckende Werk mit dem Untertitel „Foxtrot for Orchestra“, als Teil einer Oper geplant, zeichnet nach, wie während der Vorbereitung des Staatsbanketts Mao von seinem Wandportrait heruntersteigt und mit seiner Frau beschwingt nordamerikanischen Foxtrott tanzt. Sehr positiv wirkte die Interpretation der Lüneburger Symphoniker unter der temperamentvollen Leitung  Thomas Dorschs, der den versöhnlichen tänzerischen Effekt, der Gegensätzliches braucht, wunderbar herausarbeitete. Mozarts populäres Klarinettenkonzert, 1791 vollendet und ein Meilenstein der abendländischen Klarinettenliteratur, bildete den klassischen Kern des Konzertabends. Flotte, attraktive , Klangfarben, eine faszinierende dynamische und klangliche Variationsbreite zeichneten die Aufführung aus. Dorsch sorgte für eine lebendige Feinabstimmung zwischen Orchester und dem beflügelten Solo der preisgekrönten Klarinettistin Bettina Aust. Sie genoss die speziell auf ihrem Instrument mögliche Vielfalt zartester Klangabstufung und -variation. Hingebungsvoll widmete sie sich der beredten Melodik, vitalen Spannungsbögen und virtuoser Motivik. Langer Applaus und Bravos für sie und die Symphoniker erforderten eine Zugabe, die Orchesterfassung mit Klarinettensolo von Schuberts „Ständchen“. Der gebürtige Ungar Bela Bartok emigrierte nach Amerika und litt lebenslang stark unter dem Gefühl, heimatlos zu sein. Sein 1943 fertiggestelltes Konzert für Orchester war ein Auftragswerk, das der Leiter des Boston Symphony Orchestra, Kussewitzky, ihm verschafft hatte, um den von Krankheit Gezeichneten finanziell zu unterstützen. In den USA wurde das fünfsätzige Opus schließlich ein großer Erfolg; weshalb, machten die Symphoniker deutlich: Ihr bildreiches Spiel offenbarte die Fülle von musikalischen Ideen, die kontrastreich und widersprüchlich sind, Zitate einbeziehen und damit auch spöttische Kommentare abgeben.

 

Landeszeitung Lüneburg 4.9.2018

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